Bruchus, Assis und Milben zu Besuch |
Der adlige Vorfahre aller, die „der sozialistischen Lebensweise [eine] kraß
widersprechende Verhaltensweise, die sich in Arbeitsscheu u.ä. äußert.“ an
den Tag legen, wird wohl Franz von Assisi (1182-1226) sein. So, oder so
ähnlich werden die Selben wohl denken, wenn sie um die Existenz des Herren
wüßten, der aber in Wirklichkeit der Gründer des Franziskanerordens ist und
unter anderem dadurch berühmt wurde, das er die Ideale der Armut und
strengen Askese verkündete, wobei sich Ersteres wohl noch mit dem Lebensstil
dieser sozialen Randgruppe deckt, jedoch die Askese kaum zum Leben der
„Arbeitsscheuen“ paßt.
Das es ein verbal kleiner, jedoch real großer Sprung
vom Assi zum Assistent ist wird deutlich wenn man sich hierzu eine
Definition an Land zieht; „...Helfer, Mitarbeiter, besonders auf
wissenschaftlichem Gebiet“. Wobei hier deutlich wird, warum die „Helfer,
Mitarbeiter“ an Universitäten nicht nur aus Abkürzungsgründen kurz Assis
genannt werden. Doch ich will Ihnen nicht Unrecht tun, denn es ist ja zu
vermuten das es sie an deutschen Unis nicht mehr lange gibt, denn über
Planstellen regiert ja schon seit Jahren erbarmungslos der Gevatter
Einstellungsstop und wer will einer ohnehin aussterbenden Rasse schon noch
Böses nachsagen?!
Auch ausgestorben ist die „Brennfleckenkrankheit an der Bohne“ und ihr
Aussterben war nicht nur schon lange vorher voraussehbar, sondern sogar von
„höchster Stelle“ geplant, aber war sie das nicht auch zu Recht? Darum
behaupte ich, die Brennfleckenkrankheit ist die Ausnahme, die die Regel
bestätigt, das niemand einer ohnehin aussterbenden Rasse noch Böses
nachsagen will. Und ich kann diese Anklage auch stützen durch die Tränen
unzähliger Bauersfrauen die pflanzten und säten, die eggten und pflügten,
die zupften und jäteten und weinten und weinten, als sie ernten wollten,
doch alle Bohnenpflanzen samt ihren Früchten der Brennfleckenkrankheit zum
Opfer gefallen waren. Da soll man es mir nicht vorwerfen, wenn ich dahin
trete und den letzte auf dieser Erde noch überlebenden Keim wie eine bis zum
Filter aufgerauchte Zigarette mit der Spitze meines Stiefels zermalme und
spreche: dieser aussterbenden Rasse will ich Böses nachsagen, bis an mein
Lebensende. Und nur vielleicht werde ich mich schon hier aus der
Verantwortung stehlen indem ich hinzufüge, daß ich das nur zu passender
Gelegenheit tun werde.
Da mir auch immer an der gesunden Ernährung meiner jungen Lesergemeinde
gelegen ist möchte ich hier kurz die Bohne („Phaseolus“) preisen, die
durchaus gesund und mithin schmackhaft ist und zudem exotischer als
diejenigen glauben, die sich lediglich gequält fühlen von diesem Gemüse,
meist verarbeitet zu Eintopf, denen ich jetzt aber appetitanregend verkünden
möchte, das es sich hierbei um eine südamerikanische Frucht handelt, wie
z.B. die allseits beliebte Banane.
Aber es ist Vorsicht geboten, denn die Brennfleckenkrankheit ist nicht der
einzige Feind der Bohne.
Es lauern noch heimtückischere Gefahren, wie z.B. der Bohnenkäfer (Bruchus).
Und der Klang seines lateinischen Namens verrät schon Hintertriebenheit und
Zerstörung und erinnert an Brutus (Marcus, Iunius; 85-42 v.u.Z.), den
römischen Politiker, der sich erst die Gunst Cäsars erschlich, um sich dann
an der Verschwörung gegen den großen Herrscher zu beteiligen. Aber die
Gefahr einer feindlichen Übernahme durch diesen historischen Herrn ist
gebannt.
Jedoch sollten wir uns deshalb nicht allzu sicher wägen, denn die nächste
Gefahr lauert bestimmt und so mußte ich auch jüngst vernehmen, daß die
Krätze in Deutschland wieder eine ernstzunehmende Krankheit sei. Dieser
Umstand wurde aus der Tatsache abgeleitet, das nicht wie bisher ca. 56,
sondern im vergangenen Jahr 286 Menschen in unserem Land daran erkrankten.
Um den Durst , den man mit Wissen stillt nicht zum quälenden Begleiter
dieses Artikels werden zu lassen, will ich die Krätze näher beschreiben.
Hierbei handelt es sich um eine
„ ... durch die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) verursachte, übertragbare,
stark juckende Hautkrankheit. Milbengänge, die die weibliche Milbe zur
Eiablage in die Oberhaut bohrt, finden sich besonders an weichen
Hautstellen, ...". Um das ganze Ausmaß der Katastrophe hervorzuheben will
ich noch kurz zur Krätzmilbe selbst zitieren: „ ... fast kugelförmige, kurze
Gliedmaßen tragende Parasiten, die sich mit Hilfe ihrer Mundwerzeuge und
Verdauungssäfte in die Haut von Säugetieren [ ... ] einbohren.“ Das nenne
ich erschreckend !Und da ich mittels Schreck alle wachrütteln möchte, die
diesem Problem nicht mit dem nötigen Respekt gegenüberstehen, runde ich
dieses Thema mit einer Tatsache ab, die den letzten Gleichgültigen zum sich
neurotisch Juckenden machen soll!
Es ist nämlich an dem, das 20 Jahre alte Kopfkissen zu 50% aus Milbenkot,
Milbenkadavern und lebendigen Milben bestehen. Und wer jetzt die nächste
Nacht, nachweisbar ohne einen Gedanken an neue Kissen, in seinen Erbstücken
kuschelnd verbringt, erhält von mir ein Skatspiel der Firma Idena. Aber man
sollte auch wirklich nicht allzu neurotisch auf diese Erkenntnis reagieren
und anfängliches Jucken zunächst mal mit Waschen kurieren.
Wachrütteld R.K.
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