Sich der Tatort-Reihe der ARD-Sendeanstalt Sühwestfunk (SWF) thematisch
anzunähren, birgt verschiedenste Gefahren.
Zum einen haben die
Schimanski-Tatorte unserer Tage (die eigentlich gar keine Tatorte mehr sind)
mit denen aus vergangenen Zeiten (der letzte muß wohl so 1991 gelaufen sein)
weder stilistisch noch technisch etwas miteinander zu tun, doch dazu später
mehr. Andererseits ist es natürlich sehr schwierig, einen spannenden
Artikel für Nichteingeweihte zu Papier zu bringen, die nicht wenigstens
einmalfür neunzig Minuten einen Fall mit olle Schimmi lösen konnten.
1981, glaube ich, wurde der erste Tatort mit Horst Schimanski (Götz George)
und Thanner (Eberhard Feik) ausgestrahlt. Das Grundrezept war, einen
neuen Typus von Bullen zu kreieren, der scheinbar völlig losgelöst von
Dienstvorschriften und Beamtenstatus prügelnd und prollend Gesetze übertritt
und am Ende der anderthalb Stunden wieder wohlwollend in den Kreis des
Sicherheitsapparates zurückkehren kann. Das eine oder andere
Disziplinarverfahren haben bis zur nächsten Folge doch alle wieder
vergessen, oder?
Um Schimanskis eher unkonventionellen Arbeitsstil erst
richtig sichtbar zu machen, wurde ihm Thanner an die Seite gestellt, der
dann Kraft der vorzüglichen Fähigkeiten eines deutschen Polizeibeamten den
ordnenden Part des Zweiergespannes übernehmen sollte, dabei viel
rummoralisiert und -menschelt. Zeitlich befinden wir uns in den
Achtzigern in einer Situation starker Auseinandersetzung zwischen
Bevölkerung und Polizei, die den Freund und Helfer ganz schön zusetzte. Zu
denken sei dabei an die RAF-Fahndungen, die Antiatomkraftinitiativen und die
Auseinandersetzungen um die Startbahn-West, an denen eben zum Teil auch der
normale Bürger beteiligt war. Von daher ist es gar nicht so dämlich einen
Kumpel Schimanski bei den sonst so biederen Tatort-Kommissaren
einzuschleusen, der das arbeitende Volk versteht und den Lebensstil der
Nichtarbeitenden praktiziert.
Aber genug jetzt in der Mottenkiste
gewühlt. Eigentlich wollte ich ja anhand der alten Schimanski-Tatorte
beweisen, daß die neuen Folgen ganz schön beschissen sind, was jetzt aber
nicht mehr so richtig funktioniert. (da sind wohl ganz schön die Pferde mit
mir durchgegangen) Aber ich hatte ja schon oben erwähnt, daß diese ganze
Vergleicherei nicht ungefährlich ist. Egal, vergleichen heißt ja schließlich
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden.
Der Schimanski der späten
90er kommt sehr modern im Stile der neueren amerikanischen oder auch
deutschen Gangstermovies. Ein abstruser Plot der nicht mehr zu erklären
braucht, warum gemeuchelt, geraubt und sonstiges wird, wie wir es noch aus
der guten alten Polizeiruf-Zeit kennen.Darin springt dann ein munterer
Vincent Vega für Arme herum, der diesen Schuß Nihilismus mitbringt, den wir
alle so mögen. Abgerundet wird die ganze Sache dann noch durch ein bißchen
siebziger Jahre-Mucke und hektischen Kamerafahrten. Eigentlich alles gar
nicht so schlimm, wären da nicht mindestens zwei Sachen:
1. Ausgerechnet
ein inzwischen 60jähriger Götz George, der mit Klamotten und Charme irgendwo
zwischen ´84 und ´89 hängengelieben ist.(der einzige Tribut an die Neuzeit
ist sein Kurzhaarschnitt) 2. Die Hochschulregiseure um die 50 die auf
ihre alten Tage noch mal richtig kribblig werden und versuchen den alten
Schimanski in die Neuzeit zu verpflanzen. Schimanski gehört verdammt
noch mal in die Achtziger.Also laßt ihn gefälligst auch da.
gak
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